Mein Praktikum bei den Bücherhallen, Teil 2

Zwölf Wochen später ist meine Zeit in Hamburg bereits wieder vorbei. In meinem zweiten Blogbeitrag erzähle ich euch, was sich in den letzten sechs Wochen noch alles ereignet hat.

Die restlichen sechs Wochen meines Praktikums bei den Bücherhallen Hamburg

Nach dem Veranstaltungsbüro (siehe meinen ersten Blogbeitrag) ging es für mich zwei Tage ins Team „Servicetelefon“. Dort können die Benutzer anrufen, wenn sie eine Frage haben, sie Medien verlängern möchten oder eine Beschwerde haben. Das Servicetelefon ist eigentlich für jegliche Angelegenheiten gedacht. Möchte ein Benutzer nicht anrufen, gibt es auch die Möglichkeit eine Mail zu schreiben. Neben dem Servicetelefon kümmert sich das Team auch um die Medien-Anschaffungs-vorschläge von Benutzern. Das heisst, sie geben den Benutzern Bescheid, ob ihr Medienwunsch in den Bestand aufgenommen wird oder nicht. Leider waren diese beiden Tagen etwas langweilig für mich. Ausser auf einige Anschaffungsvorschläge zu antworten, gab es für mich nichts zu tun. Einen Tag in dieser Abteilung hätte also vollkommen ausgereicht.

Am Mittwoch in derselben Woche durfte ich in einem der beiden Bücherbusse mitfahren. Dies war auf jeden Fall eine interessante Erfahrung, da es sich doch komplett vom eigentlichen Bibliotheks-betrieb unterscheidet. Die Busse fahren in ländliche Gebiete und Stadtteile, in denen die öffentlichen Bibliotheken fehlen. Es gibt offene Haltepunkte in den Bezirken Bergedorf, Harburg, Mitte und Altona sowie Haltestellen an Schulen und Kitas. Ich bin mit dem Bergedorf Bus mitgefahren. Die Tour fing um 10:30 Uhr an, hatte fünf Haltepunkte und endete Abends um 18:00 Uhr. Der erste Halt war an einer Schule, die restlichen Vier waren offene Haltepunkte im Bezirk Bergedorf. An jedem Halt blieben wir zwischen 45 Minuten und einer Stunde stehen, danach ging es sofort weiter zum nächsten Punkt. Zum Teil fand ich es sehr stressig, da man an jedem Ort wieder die Arbeitsplätze für die Ausleihe beziehungsweise für die Rückgabe einrichten muss. Dann kamen alle Benutzer auf einmal, die man bedienen musste und dann war die Zeit auch bereits wieder um. Wir packten alles zusammen und fuhren zum nächsten Haltepunkt. Andererseits gab es auch Haltestellen, an denen nur zwei bis vier Leute kamen. Dann sitzt man im Bus und wartet bis die Stunde um ist. Ich selbst würde lieber nicht in einem der Busse arbeiten wollen, aber es war spannend einen Einblick in diese Arbeit zu erhalten.

Bücherbus
Bücherbus

In dieser Woche war Einiges los. Denn nach dem Bücherbus war ich noch zwei Tage in der Stadtteilbibliothek in Horn. Dort war gab es leider auch nicht viel zu tun und Benutzer gab es in dieser Zeit auch nur wenige. Aber ich bekam einen Einblick in den Ablauf einer Stadtteilbibliothek mit Open Library. Open Library bedeutet, dass die Bibliothek zu gewissen Zeiten nicht personell besetzt ist. In Horn war das eine Stunde über den Mittag. Die Bibliothek kann aber während dieser Zeit trotzdem von Kunden benutzt werden. Hinein kommen alle über 18 mit einem gültigen Kundenausweis, welche dann durch die Selbstverbucher und automatischen Rückgabeautomaten die Bibliothek nutzen können.

Die nächsten drei Wochen verbrachte ich wieder in der Hauptfiliale, also der Zentralbibliothek. Dort war ich je eine Woche in den drei verschiedenen FaMI-Teams. „FaMI“ bedeutet Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste und ist die deutsche Bezeichnung für Fachleute Information und Dokumentation. Jedes der drei Teams in der Zentralbibliothek hat eigene Aufgaben und Bereiche, für welche sie zuständig sind.

Team 1 ist zuständig für nicht vollständig zurückgegebene Medien, für defekte Medien und für solche, die aus dem Bestand gelöscht werden sollen. Neben diesen Aufgaben arbeiten alle Team-mitglieder auch im Service. Dort sind sie zuständig für Fragen der Benutzer; zum Beispiel, wenn ihre Ausleihkarte nicht funktioniert oder sie ihre Jahresgebühr erneuern möchten. Hauptsächlich werden dort aber Anmeldungen gemacht.

Team 2 ist zuständig für den Freihandbereich. Das heisst, wenn Benutzer etwas vormerken lassen, holen sie die Bestellungen aus dem Freihand. Dies können pro Tag zwischen 50 und 100 Vormerkungen sein. Ausserdem sind sie für die Materialverwaltung zuständig; also Kopierpapier, Toner, Kundenkarten usw. bestellen. Auch sie arbeiten zusätzlich noch im Service.

Team 3 ist das Veranstaltungsteam. Jeden Morgen gehen sie durch die Bibliothek und wechseln die Plakate für Veranstaltungen aus. Sie arbeiten eng mit den Medienpädagogen, welche Veranstaltungen planen, zusammen. Sie bestellen Veranstaltungsmaterial und führen falls nötig Aufsicht. Während meiner Zeit in Team 3 fand die Abschlussveranstaltung der Hamburger Märchentage statt, bei der ich mithelfen durfte. Dort hat Till Demtrøder, einige kennen ihn vielleicht aus der Serie Großstadtrevier, verschiedene französische Märchen vorgelesen. Zu dieser Veranstaltung kamen sechs Schulkassen. Diese mussten wir dann in Empfang nehmen, ihnen zeigen, wo sie Jacken und Taschen ablegen konnten und wo die Veranstaltung stattfindet. Neben den Veranstaltungen betreut das Veranstaltungsteam auch Buchausstellungen in der Bibliothek. Ich durfte für den Belletristik-Bereich auch ein Thema überlegen und Titel dazu recherchieren.

Von allen drei FaMI-Teams hat es mir in Team 3 am besten gefallen.

Innenansicht Zentralbibliothek
Abteilung Sprachen in der Zentralbibliothek

Für die beiden letzten Wochen ging es dann für mich noch einmal in eine Stadtteilbibliothek. Dieses Mal in Niendorf. Dort erhielt ich einen weiteren Einblick in den Ablauf einer Stadtteilbibliothek. Niendorf hat ebenfalls Open Library. Zwischen 08:00 und 11:00 Uhr morgens sowie zwischen 19:00 und 20:00 Uhr abends haben die Kunden die Möglichkeit die Bibliothek ohne Personal zu nutzen.

Sehr toll war zu merken, dass ich durch die vielen Stationen, in denen ich die Wochen zuvor war, schon so viel Erfahrung gesammelt hatte, dass ich aktiv und so gut wie ohne Hilfe in der Bibliothek mitarbeiten konnte. Es war schön zu sehen, wie viel ich in der kurzen Zeit gelernt habe.

Bücherhalle Niendorf
Bücherhalle Niendorf

Am Donnerstag, 29.11.18 hatte ich noch ein Abschlussgespräch in der Zentralbibliothek und danach war mein Praktikum bei den Bücherhallen Hamburg offiziell vorbei. So konnte ich am Nachmittag noch einmal Hamburg geniessen. Am Freitag musste ich noch zu Ende packen und die Wohnung aufräumen, bevor am Nachmittag dann die Wohnungsübergabe erfolgte. Am Freitagabend bin ich mit dem Zug zurück nach Basel gereist.

Das Praktikum bei den Bücherhallen Hamburg hat mir grossen Spass gemacht. Ich habe sehr viel über den Betrieb einer allgemein öffentlichen Bibliothek gelernt.

Jasmine Brüderlin, 11.12.2018, Basel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s